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Umgang mit Schuldgefühlen – Teil 1

Als erstes: Schuldgefühle sind keine Gefühle!

Im Gegenteil. Schuldgefühle haben die Funktion, Gefühle nicht zu fühlen, die wir eben nicht fühlen wollen. In der Regel sind das negative Gefühle wie Angst, Wut, Hilflosigkeit. Sie haben also so etwas wie eine Schutzfunktion. Sie verdrängen damit aber leider auch positive Gefühle wie Selbstvertrauen oder Zuversicht. Schuldgefühle lösen Beklemmungen aus und ziehen uns runter.

Wie also können wir mit Schuldgefühlen arbeiten? Wie immer gibt es leider keinen Knopf, den wir einfach drücken können, damit sie weg sind. Es geht stattdessen darum, in uns selbst etwas zu verändern. Und das braucht Bewusstsein, Übung und Zeit.

In der Gewaltfreien Kommunikation nach Marschall Rosenberg habe ich zwei „Methoden“ gelernt, um mit Schuldgefühlen umzugehen.

Ich möchte an dieser Stelle auf die erste „Methode“ eingehen, nämlich die innere Haltung.
In einer wohlwollenden Haltung gehen wir davon aus, dass jedes Verhalten einen guten Grund hat. Und dass wir stets unser Bestes geben.

Das bedeutet konkret: Egal was ich tue, es hat einen Grund. Und ich tue das Beste, was ich in der jeweiligen Situation tun kann. Mehr kann ich nicht geben, anders kann ich nicht handeln, ich weiß es nicht besser. Könnte ich anders oder noch besser handeln, würde ich es tun. Aber es geht gerade nicht. Warum auch immer.

Diese Haltung erleichtert und entlastet erst einmal.

Es bedeutet jedoch nicht, dass wir Dinge damit entschuldigen oder rechtfertigen, die nicht gut gelaufen sind. Im Gegenteil.

Und was hilft das Hadern und das Verweilen in Schuldgefühlen? Nichts!
Viel besser ist es doch anzuerkennen, was nicht gut gelaufen ist. Und das zu bedauern. Denn dann übernehmen wir Verantwortung und haben die Chance, in Zukunft etwas anders zu machen.

Bislang waren unsere Gedanken vielleicht: „Das war mal wieder echt eine blöde Reaktion von mir. Völlig überzogen. Ich schaffe es einfach nicht. Warum reagieren andere viel gelassener? Ich bin eine schlechte Mutter.“

Statt in Vorwürfen, können wir jedoch auch liebevoll mit uns sprechen und sagen: „Ja, das ist echt scheiße gelaufen. Mein Verhalten war unangemessen. Gleichzeitig weiß ich, dass ich nicht anders konnte. Es ging in diesem Moment nicht besser. Ich bedaure das sehr. Beim nächsten mal möchte ich es anders machen.“

Es macht einen riesengroßen Unterschied, wie wir mit uns sprechen und wie unsere Haltung uns gegenüber ist.

Wenn du nun an Handlungen denkst, für die du dich schuldig fühlst, dann sprich zu dir die Sätze:

„Ich konnte es in diesem Moment nicht besser. Ich wusste es nicht besser. Es gab Gründe dafür, dass ich so gehandelt habe. Ich bedaure es sehr und übernehme die Verantwortung dafür. Beim nächsten Mal möchte ich es anders machen.“

Übe es immer wieder und beobachte, wie du dich damit fühlst. Verändert sich etwas in deinem Denken?

Schreibe in die Kommentare gerne deine Erfahrungen mit Schuldgefühlen und deinen Umgang damit.

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